Wie wähle ich den richtigen Welpen aus?

Ist eine Hündin oder ein Rüde die bessere Wahl?

Bei der Wahl des Welpen stellt sich für viele Familien zunächst die Frage, ob ein Weibchen oder ein Männchen aufgenommen werden soll. Zu diesem Thema kursieren unter Hunde-Experten, -Trainern und -Besitzern viele unterschiedliche Meinungen. Die einen sagen zum Beispiel, Hündinnen seien eigenständiger oder lieb und brav, die anderen sprechen diese Eigenschaft jedoch Rüden zu. Hierzu muss aber festgehalten werden, dass die Forschung erst begonnen hat sich mit Verhaltensunterschieden von Rüden und Hündinnen zu befassen und es derzeit wenige Studien gibt.

Ein sehr klarer Merkmalsunterschied zwischen den Geschlechtern ist in der Regel der Körperbau. Rüden sind im Vergleich zu Hündinnen etwas größer und muskulöser gebaut, wobei man nie vergessen darf, dass es natürlich Ausnahmen gibt.  Ein weiterer wesentlicher Unterschied ist die Läufigkeit von Hündinnen. Während dieser Phase können Weibchen aufgrund der Hormoneinflüsse Verhaltensveränderungen zeigen. In dieser Zeit müssen Hundebesitzer Hundekurse, Hundewiesen und stark frequentierte Orte meiden. Die Unterbringung in Hundepensionen ist in diesem Zeitraum ebenfalls nicht möglich.

Auf der Veterinärmedizinischen Universität Wien wurde bei einem Test im Dog Lab festgestellt, dass Rüden und Hündinnen über verschiedene visuelle Fähigkeiten verfügen. In der Untersuchung zeigte sich, dass Weibchen die Fähigkeit besitzen visuelle Unterschiede wahrzunehmen. Männchen zeigten diese Fähigkeit im Test nicht. Der gesamte Bericht ist auf Science Mag zu finden.

Im Mai 2017 wurde von Claudia Fugazza, Paolo Mongillo und Lieta Marinelli eine Studie zu den Geschlechtsunterschieden im sozialen Lernen der Hunde von räumlichen Informationen veröffentlicht. Die Studie zeigte Unterschiede in der Anwedung von egozentrischen Strategien zwischen Hündinnen und Rüden. Bei der Studie haben Männchen schneller (in weniger Versuchen) gelernt, egozentrische Informationen zu verwenden. Die Studie unterstützt die Vorstellung das es kognitive Geschlechtsunterschiede gibt, wobei hierzu weitere Untersuchungen nötig sind.

In 2017 hat ein Forscherteam eine Studie zur Lebensdauer von Rüden und Hündinnen veröffentlicht. In dieser Studie konnte kein signifikanter Unterschied in der Lebenswerwartung von Hunden aufgrund des Geschlechts festgestellt werden.

Bei der Wahl sollten sie vorallem auf Ihre persönliche Präferenz und ihr Gefühl achten.

Soll ich einen Welpentest als Beurteilung der Hundepersönlichkeit heranziehen?

Die Veterinärmedizinische Universität Wien hat eine Studie über die Aussagekraft von Welpentests durchgeführt. Hierzu wurden Border Collies getestet. 99 als Neonat (2-10 Tage alt), 134 (beinhalten 93 als Neonat getestet) als Welpe (40-50 Tage alt) und 50 als Familienhunde (1,5-2 Jahre alt). Die Forscher kamen zum Schluss, dass keiner der durchgeführten Tests eine tatsächliche Aussagekraft über das spätere Verhalten der Hunde hatte. Einzige Ausnahme war die Erkundungsfreudigkeit von Hunden. Hier blieb das gezeigte Verhalten als Welpe auch als erwachsener Hund unverändert.

Die gesamte Forschungsarbeit zum Nachlesen: The Predictive Value of Early Behavioural Assessments in Pet Dogs – A Longitudinal Study from Neonates to Adults

Für welchen Welpen soll ich mich entscheiden?

Es gibt bei der Wahl des Welpen einige Faktoren auf die sie sehr wohl achten sollten.

Betrachten sie zunächst, in welcher Ausgangslage sie sich befinden und welche Anforderungen sie an den Welpen stellen. Verfügen sie über Hundeerfahrung, sind sie Ersthundebesitzer, leben im Haushalt Kinder und welches Alter haben diese. Außerdem müssen die bereits im Haushalt lebenden Tiere berücksichtigt werden. Sollte ein Hund im Haushalt leben, so muss bei der Auswahl auch auf die Persönlichkeit des Ersthundes Rücksicht genommen werden. Im Idealfall lernt der Züchter nicht nur die Zweibeiner, sondern auch den Vierbeiner kennen. Ein seriöser Züchter verwendet sehr viel Zeit für die Aufzucht und beobachtet die Zwerge in der Wachstumsphase sehr genau. Der Züchter erzählt Ihnen sicherlich gerne etwas über die einzelnen Welpen und steht beratend zur Seite.

Nutzen sie die Möglichkeit, mit den Welpen persönlich Zeit zu verbringen. (nicht durch die Glasscheibe oder auf Videos) Oftmals zeigt sich bei Besuchen, dass bei dem auf dem Foto gewählten Liebling die Chemie vor Ort nicht passt. Vertrauen Sie am Ende Ihrem Gefühl.